BIM –Hype oder revolutionärer Durchbruch?

Keineswegs steckt hinter BIM eine neue Erfindung.

 

Wenn es um das Thema „BIM – Building Information Modeling“ geht, schweifen die Meinungen auseinander. Zwar ist BIM in der Branche voll und ganz angekommen,  es wird viel darüber gesprochen und auch Ressourcen zur Verfügung gestellt. Ein Problem bleibt jedoch bestehen, dass kaum jemand versteht, was sich unter dem Begriff im Detail verbirgt. Keineswegs eine neue Erfindung, denn BIM ist - vom Gedankengut und den dahinter stehenden Überlegungen - gewissermaßen alt.

BIM weit mehr als ein Gebäudemodell

Ein Großteil sieht BIM als ein 3D-Gebäudemodell. Bei einem BIM-Modell geht es aber nicht rein um ein Gebäudemodell, das in Echtzeit von mehreren Planern zentral bearbeitet wird. Es geht dabei vielmehr um eine gemeinsame Datenbasis, die allen Beteiligten zur Verfügung steht. Es geht um einen konsistenten Informations- und Datenaustausch für die Weiterverarbeitung. Diese Daten werden mittels geeigneter Schnittstelle im IFC-Format -  das offene „BIM-Format“ - exportiert und im Sinne von „Open BIM“ für weitere Arbeitsschritte allen Projektbeteiligten zur Verfügung gestellt. Damit liefert BIM auch die Grundlagen für das Kosten- und Terminmanagement sowie das Facility Management.

Altbewährtes neu entdeckt?

Viele Projektbeteiligte nutzen BIM schon auf die eine oder andere Art, ohne dass ihnen dies bewusst ist. Bei BIM geht es wesentlich um Prozesse, die es bereits auch in herkömmlichen Planungsmethoden gibt. Allerdings werden in BIM Anwendungen diese Arbeitsschritte meist früher im Projektablauf situiert und mit anderen beteiligten Planern und ausführenden Firmen abgestimmt. Dies wird durch die andauernde Übereinstimmung des Projektmodells mit dem tatsächlichen Bauwerk (das „As-built-Modell“) ermöglicht. 

Das „As-built-Modell“ ist auch Grund dafür, warum die ÖNORM A 6241-2 "Digitale Bauwerksdokumentation - Teil 2: Building Information Modeling (BIM) - Level 3-iBIM" festhält, auf annähernde Mengenermittlungsverfahren - wie in der Werkvertragsnormen der einzelnen Gewerke beschrieben – zu verzichten und die ermittelten Mengen nach tatsächlichen Größen abzurechnen.

Eine gute Modellierung als Schlüssel zum Erfolg

Die durchgängige 3D-Planung ermöglicht große Zeitersparnis in der Mengenermittlung und Erleichterungen in der Abrechnung. Es muss jedoch bedacht werden, dass die Mengenermittlung das Ergebnis einer bautechnisch korrekten Modellierung ist.

Um es anschaulicher zu machen: Nur wenn ein Überlager modelliert ist, kann die entsprechende Position im Leistungsverzeichnis automatisiert gefunden werden. Wenn das Überlager nicht modelliert ist, kann die Position ergänzt werden, aber dann müssen auch die Mengen der betroffenen Wände manuell korrigiert werden. Das Gebäudemodell wäre nicht durchgängig. 

Es gibt auch einige Elemente, die meist nicht modelliert werden, aber in einem Leistungsverzeichnis vorhanden sind. Beispiele dafür sind der Erdaushub oder die Baustellengemeinkosten. Auch falsche Modellierung kann zu Problemen führen und die Abrechnung erhöhen: Werden beispielsweise Brüstungen als Wände gezeichnet und auch so ausgeschrieben, wird man in der Abrechnungsphase womöglich mit Mehrkostenforderungen konfrontiert werden.

Sie sehen, all diese Überlegungen sind nicht neu, gibt es doch CAD-Schnittstellen schon seit vielen Jahren. Video-Tipp: Mengenübernahme von CAD-Software ins Leistungsverzeichnis

Wie geht es weiter?

Nun kommt es darauf an, die ersten und guten Erfahrungen aus der Praxis weiterzugeben. Die Standardisierungsarbeit zahlreicher Akteure soll dabei helfen, Standards zu schaffen sowie strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen festzulegen, um ein durchgängiges digitales Datenmanagement zu ermöglichen.


Die Kalkulationsfreiheit bei Angeboten ist begrenzt. Doch wo liegen diese Grenzen?

23.03.2020

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