GF Ilg im Interview mit der Bauzeitung

Über die Herausforderungen halb digitaler Prozesse, uvm.

 

Remote Work ist mittlerweile auch in der heimischen Baubranche zum Standard geworden. Doch wie hat sich die Nachfrage nach Lösungen und Tools in den letzten Jahren eigentlich entwickelt und wohin geht der Trend. Im Interview mit der Österreichischen Bauzeitung sprach Geschäftsführerin Monika Ilg über die Herausforderungen halb-digitaler Prozesse, die ÖNorm A 2063, uvm.

Portrait GF Dipl.-Ing. Monika Ilg
© ib-data GmbH

Bauzeitung: Hat sich die Einstellung zu digitalen Produkten auf Grund der Pandemie und des daraus resultierenden Remote Work allgemein verändert? 

Monika Ilg: Die Digitalisierung macht das Arbeiten von zu Hause oder von einem x-beliebigen Ort aus möglich. Ortsunabhängiges Arbeiten ist nicht mehr wegzudenken. Nicht zuletzt verlagerte die Coronapandemie den Arbeitsalltag kurzerhand ins Homeoffice. Viele Kunden standen vor neuen, auch digitalen Herausforderungen, und auch die Anforderungen an Softwarelösungen haben sich dadurch geändert.

Früher wurde beispielsweise mit ABK im Büro zentral in einer Datenbank gearbeitet. Für die Auslagerung der Daten bzw. deren Weiterverarbeitung auf der Baustelle hatten wir ganz eigene Softwarelösungen. Mittlerweile wird immer zentral gearbeitet, auch wenn man nicht im Büro ist. WLAN und Laptop sollten dabei grundsätzlich ausreichen. Doch nicht jede Software und nicht jede Netzwerkkonfiguration ist dafür geeignet. Außerdem wurden der Datenverlust, die Datensicherheit sowie falsche Berechtigungen als hohes Risiko erkannt. Als Softwareunternehmen waren wir in diesem Bereich jedoch von Beginn an gut vorbereitet. So konnten wir unsere Anwender rasch bei der Digitalisierung ihrer Unternehmen unterstützen und ihnen ein effizientes, zuverlässiges und vor allem sicheres Arbeiten mit unseren ABK-Anwendungen ermöglichen.

Bauzeitung: Wie hat sich die Nachfrage nach ihren Produkten verändert?

Monika Ilg: Ja, die Nachfrage hat sich gewiss geändert. Remote Work wird nun vorausgesetzt und es werden vor allem jene Produkte nachgefragt, die Prozesse durchgängig optimieren. Ein Beispiel dazu: Früher wurde eine Software gesucht, die explizit für eine konkrete Anwendung eingesetzt wird, wie etwa für die Textierung eines Leistungsverzeichnisses. Nun wird ein Softwarepaket nachgefragt, das den gesamten Prozess für viele Projekte – d.h. von der Ausschreibung über die Angebotsprüfung bis zur Abrechnung - begleitet, standardisiert und optimiert. Auch angrenzende Arbeitsabläufe wie etwa der Aufbau einer Preisdatenbank oder einer Sammlung ökologischer Kennwerte sollen dabei berücksichtigt werden und nachhaltig die Implementierung im Unternehmen unterstützen.

Bauzeitung: Gibt es Lösungen, die besonders nachgefragt werden?

Monika Ilg: Wir sehen auch eine verstärkte Nachfrage nach einer BIM-Lösung, doch die Möglichkeit, Informationen aus dem CAD-Modell direkt zu übernehmen und für die Ausschreibung zu verwenden, wird noch viel zu wenig genutzt. Unsere Aufgabe ist es, die Kunden in diesem Prozess nicht alleine zu lassen. Es reicht nicht, ein Softwaretool zur Verfügung zu stellen. Hier geht um Prozesse, die neu sind und begleitet werden müssen.

» Zu den großen Herausforderungen zählt die Digitalisierung halb digitaler Prozesse. «, sagt Monika Ilg.

Bauzeitung: Wie weit sind in Ihren Augen die heimischen Baufirmen schon bei dem Thema Digitalisierung? Welche sind momentan die größten Herausforderungen?

Monika Ilg: Zu den großen Herausforderungen zählt die Digitalisierung halb digitaler Prozesse. Wenn noch keine Transformation stattgefunden hat, ist die Implementierung neuer, digitaler Arbeitsweisen vergleichsweise einfach. Wenn jedoch schon Anstrengungen unternommen wurden, die erhoffte Verbesserung durch die Digitalisierung aber nicht eingetroffen ist oder unternehmensübergreifende Prozesse unterstützt werden sollen, dann ist der nächste Schritt notwendig. Oft gibt hierzu schon gute Digitalisierungsansätze. Diese zusammenzuführen, stellt die eigentliche Herausforderung dar.

Bauzeitung: Ein zentrales Thema des letzten Jahres in der Entwicklung war die Implementierung der ÖNorm A 2063 in Ihre Produkte. Wie weit ist diese vorangeschritten? Welche Änderungen bringt diese für die Nutzer, und gibt es schon erstes Feedback?

Monika Ilg: Anfang des Jahres haben wir unsere neue ABK8-Version veröffentlicht. Darin wird im AVA-Bereich bereits flächendeckend die ÖNorm A 2063-1:2021 unterstützt und ein Austausch von AVA-relevanten Daten nach dem aktuellen Stand der Norm ermöglicht. Alle Änderungen von der Ausschreibung bis zur Bauabrechnung sind darin enthalten.

In der zweiten Jahreshälfte werden wir die Änderungen rund um BIM veröffentlichen. Wir arbeiten bereits mit Hochdruck an der Umsetzung dieses zweiten Teils, der ÖNorm A 2063-2:2021. Mit diesen neuen Funktionen wird erstmals normkonformes OpenBim für AVA möglich sein. Für die Anwender stellt dies eine große Arbeitserleichterung dar. Sie müssen zukünftig nicht mehr so viele projektspezifische Einstellungen vornehmen. Arbeitsweisen können (fast) automatisiert für mehrere Projekte übernommen werden. Voraussetzung dafür sind aber gute, standardisierte Elementkataloge, denn eindeutige, vordefinierte Daten sind nun mal für unternehmensübergreifende, automatisierte Prozesse notwendig.

» Der Kundennutzen steht dabei klar im Fokus unseres Handelns! «, so Monika Ilg.

Bauzeitung: Wagen wir einen Ausblick: Was sind die Themen, die Sie intern in nächster Zeit am meisten beschäftigen werden?

Monika Ilg: Intern möchten wir einen weiteren Schritt mit der Digitalisierung setzen und an der Verbesserung zukunftssicherer Lösungen arbeiten. Der Kundennutzen steht dabei klar im Fokus unseres Handelns. Wir möchten unsere Anwender durch praxisgerechte Werkzeuge bestmöglich unterstützen, sie noch intensiver betreuen und gemeinsam mit ihnen weiterhin die Digitalisierung der Bauwirtschaft aktiv mitgestalten.

Quelle: Interview mit GF Dipl.-Ing. Monika Ilg: Den Kundennutzen klar im Blick, in: Österreichische Bauzeitung (2022), Ausgabe 06, S.12-13.

Interview-Artikel in der Österreichischen Bauzeitung

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27.09.2022

Thema: ABK-Zentraler Baukostenindex